Digitale Verkaufsplattformen für Händler vor Ort

Digitale Verkaufsplattformen für Händler vor Ort

Florian Stenner

Florian Stenner

Projektmanager PR, Marketing & Kommunikation bei Magnecon. Er hat beruflich Erfahrungen als Journalist, Pressereferent im Bundestag und Marketingexperte in der Wirtschaft und im Sport gemacht.

Unternehmer und Solo-Selbständige, die unsere Innenstädte mit ihren Geschäften und Produkten bereichern, zählen leider zu den großen Verlierern der Corona-Krise. Um wirtschaftliche Existenzen zu sichern, führt kein Weg an der Digitalisierung des Einzelhandels vorbei. In diesem Blogartikel zeige ich auf, wie sich der Handel vor Ort und Vertriebswege online im Internet ergänzen können. Die Digitalisierung ist mit der richtigen Strategie und passenden Verkaufsplattformen eine Chance das eigene Business krisenfest und skalierbar zu machen. 

Darum lohnt es sich online zu verkaufen

Losgelöst von krisenbedingten Zwängen gibt es viele gute Argumente für HändlerInnen, das eigene Geschäft jetzt zu digitalisieren. An erster Stelle steht da die Chance auf eine Umsatzsteigerung. Laut Statista ist der Umsatz im Endkundengeschäft online von 72,6 in 2019 auf 83,3 Milliarden Euro in 2020 gestiegen. Im Jahr 2001 lag der Umsatz noch bei 1,8 Milliarden Euro. Das digitale Endkundengeschäft wächst also rapide! 

Ist der Onlinehandel eine Konkurrenz zum Ladengeschäft?

Es ist eine recht verbreitete Sorge, der Onlinehandel stünde in einer direkten Konkurrenz zum Umsatz vor Ort. Diese ist aber unbegründet. Du musst Dir den Onlinehandel für Dein Geschäft stattdessen als zusätzliche Filiale vorstellen, die nicht ortsgebunden ist. Das eröffnet die Chance neue Kunden anzusprechen. 

Die Entgrenzung des Business findet im Onlinehandel übrigens nicht nur örtlich gesehen statt, sondern auch zeitlich. Denn Onlineshops und Marketplaces, wie der Platzhirsch Amazon, kennen keine Öffnungszeiten. Im Gegenteil: Abendstunden, Wochenenden und Feiertage sind im Onlinehandel umsatzbringende Stoßzeiten.

Mögliche Verkaufsplattformen im Onlinehandel 

Wo kann ich meine Produkte online verkaufen? Diese banale, aber essenziell wichtige Frage, gilt es als ganz zentral zu beantworten. Achtung: Bereits die Auswahl der passenden Verkaufsplattform(en) spielt für die Strategie und den wirtschaftlichen Erfolg eine Schlüsselrolle! 

Nicht bei jedem digitalen Vertriebskanal stehen Aufwand und Ertrag pauschal im selben – und schon gar nicht im richtigen – Verhältnis für Onlinehändler. Eine gute Strategie zur digitalen Transformation des eigenen Business versteht und lebt der Onlinehandel im Kontext von Vertrieb und Marketing. Die Grenzen dieser beiden Bereiche sind im E-Commerce  an vielen Stellen schwimmend.  Und stets eine Frage von Kosten- und Zeitaufwand im Verhältnis zum Nutzen. 

Die Auswahl der Verkaufsplattform(en) ist vergleichbar mit der Suche nach einer Filiale vor Ort. Nur dort prüfst Du zum Beispiel Mietkosten, Ausstattung, Verkaufsfläche oder die Lage. 

Digital gelten andere Prüfkriterien und Kostenstellen, weshalb sich ein detaillierter Blick auf die spannendsten Vertriebskanäle eigener Onlineshop, Amazon, Etsy und Shopify lohnt. 

Die eigene Webseite mit Onlineshop  

Die volle Kontrolle über Inhalte, Angebote und Erscheinungsbild hast Du online einzig und allein mit der eigenen Webseite. Durch die technische Anbindung an ein Shopsystem wird die Webseite zur Verkaufsplattform für die gigantische Zielgruppe der Online-Käufer.

Ob mit oder ohne Shop ist die Webseite für den lokalen Handel zusätzlich eine digitale Visitenkarte für potenzielle Kunden vor Ort! 

Die volle Kontrolle über den eigenen Onlineshop hat aber seinen Preis – und zwar nicht nur, weil diverse, eher kleinere Anschaffungen notwendig sind. Der Weg zum funktionsfähigen Onlineshop ist nämlich mit einem Aufwand für das einmalige Setup und die fortlaufende Pflege verbunden.

Denn potenzielle Kunden erwarten online aktuelle und attraktive Inhalte und Angebote, wenn sie kaufen sollen!

Checkliste für den eigenen Onlineshop: 

  1. Domainname auswählen und registrieren, Hosting-Provider buchen
  2. Webseitensystem auswählen (wir empfehlen WordPress)
  3. Homepage gestalten, Blog und Themenseiten anlegen 
  4. Shopsystem auswählen (wir empfehlen WooCommerce), je nach eigenem Zutrauen zusätzlich Warenwirtschaftssystem integrieren (kein Muss, wir empfehlen pixi)
  5. Produkte erfassen und Produktdetailseiten anlegen 
  6. Verknüpfung des Onlineshops mit Google Shopping, Facebook & Instagram Shop
  7. AGB, Impressum und Datenschutz hinterlegen 
  8. Bezahlmethoden definieren (wir empfehlen mindestens PayPal und Amazon Pay) 
  9. Testphase

Damit Dein Onlineshop potenzielle Kunden erreichst, musst Du anschließend Marketingmaßnahmen ergreifen. Ohne Werbung werden nicht viele Online-Käufer Deinen Shop finden. Je nach Produkt, Budget und personellen Kapazitäten bieten sich Google Werbung und Social Media Ads bei Facebook und Instagram an. Unsere Leitfäden für Werbung mit Google und Facebook habe ich Dir hier verlinkt. 

Amazon – das kundenfreundlichste Unternehmen der Welt, aber

Produkte bei Amazon zu bestellen geht schnell und einfach. Das gilt auch für das Verkaufen von Produkten. Amazon hat das Kaufen und Verkaufen online im Internet vereinfacht. Verkäufer und Käufer werden auf einem gigantischen, digitalen Marktplatz zusammengebracht. 

Für Händler vor Ort hat der Marketplace drei entscheidende Vorteile: 

Erstens lässt sich, verglichen mit der Erstellung eines eigenen Onlineshops, schnell und mit viel weniger Setup-Aufwand verkaufen. 

Zweitens tummeln sich bei Amazon alle relevanten Käufergruppen. Und die potenziellen Kunden suchen entweder gezielt nach einem Produkt oder sie stöbern nach Dingen, die man gebrauchen könnte. 

Drittens ist ein Besucher von Amazon.de fast immer nah am Kauf, sie haben im Marketingsprech eine hohe Kaufbereitschaft. Denn Kunden besuchen die Internetseite mit dem Gedanken Produkte zu entdecken – und sie vertrauen ihrem Marktführer Amazon. 

Als Partner von Amazon teilt man den Umsatz. Von jedem Verkauf erhält Amazon eine Provision. Gegen zusätzliche Gebühren bietet der Marketplace Marketingtools zur Umsatzsteigerung. Das fängt mit Werbeflächen an, geht beim Versand der Produkte durch Amazon als Fulfillment Dienstleister weiter und endet mit erweiterten Präsentationsflächen für Marken. 

Allerdings ist nicht jeder Händler mit seinen Produkten geeignet für den Verkauf bei Amazon. Spätestens wenn das Business auf dem Marketplace so richtig anläuft, hat schon so mancher Verkäufer festgestellt, dass man für den Erfolg extrem viel investieren muss. Und zwar Zeit und Nerven. Denn das Vertrauen der Kunden in Amazon erarbeitet sich der Marktführer durch strikte Spielregeln für Verkäufer. 

Neben der Frage nach personellen Kapazitäten zur Betreuung des reglementierten Tagesgeschäfts muss die Produktkalkulation Provisionen und Gebühren für Amazon hergeben. Das musst Du in Deiner Strategie berücksichtigen, sonst führt der Verkauf bei Amazon zu teuer erkauften Umsatz, der nicht ertragreich ist. 

Der Hidden Champion Etsy 

Nach Amazon muss doch jetzt der Name Ebay fallen – denkst Du Dir sicher. Ich sage aber Etsy statt Ebay!

Ja, Ebay ist seit über 20 Jahren irgendwie immer noch recht präsent in der Wahrnehmung. Aber für den Handel vor Ort, der so viele unverwechselbare, pfiffige Produkte hervorbringt, gibt es eine viel spannendere Verkaufsplattform.

Startseite der Verkaufsplattoform Etsy
Ein ganz besonderes Look & Feel versprüht die Startseite von Etsy.com

Während Ebay gegen den Ruf des Grabbeltisch beim Discounter um die Ecke ankämpft, ist Etsy der coole Hipster Flohmarkt in Berlin-Mitte. 

Etsy schwappt immer stärker aus den USA nach Deutschland und Europa. Der Marketplace tritt als frische Marke und nutzerfreundlicher Shop auf. Dazu kommt, dass über Etsy keine Massenware, teure Elektronik oder Gebrauchsgegenstände für den Alltag verkauft werden.

Hier sind die kleinen Händler, die Künstler, die Handwerker Zuhause. Und das weiß die Kundschaft, entsprechend sehen die angebotenen bzw. nachgefragten Produkte aus. 

Die potenzielle Käufergruppe bei Etsy mag zwar viel kleiner als bei Amazon sein. Jedoch bedient sich Etsy den Nischen, die Amazon dem Onlinehandel überlässt. Für Händler vor Ort und alle Online-Käufer, die das “Haifischbecken” Amazon meiden, ist diese Verkaufsplattform der Treffpunkt. 

Auch gibt es für Etsy einen spannenden Marketingkanal: Pinterest. Diese Plattform “trendet” ebenfalls immer stärker aus den Staaten zu uns, die Zielgruppe der Etsy-Käufer tummelt sich dort definitiv! 

Der Full Service Gigant Shopify 

Von einem deutschen Unternehmer gegründet, hat sich Shopify innerhalb weniger Jahre zu einem Top-Anbieter für E-Commerce-Lösungen entwickelt. Shopify spiegelt das Konzept der Webseite und baut alles vom Onlineshop ausgehend auf. 

Um den Shop und die Produktseiten herum wird bei Shopify nach einem Baukastenprinzip eine komplette Webseite kreiert. Darüber hinaus lässt sich durch einfache Schnittstellen der Onlineshop mit Social Media (zum Beispiel Facebook und Instagram) verknüpfen. Und zu guter Letzt bietet Shopify Anbindung an Marketplaces wie Amazon. 

Händler müssen Shopify, genau wie Amazon, an jedem Umsatz beteiligen. Außerdem verlangt die Plattform eine monatliche Abo-Gebühr.

Shopify wird in Expertenkreisen eine goldene Zukunft vorausgesagt. Im letzten Jahr gelang der Plattform laut Statista ein Umsatzwachstum von 470 auf über 750 Millionen Dollar.

Shopify ist eine Art Hybrid-Verkaufsplattform, die eigene Webseite, die Marketplaces und Marketingtools miteinander zusammenbringt. Aber Vorsicht: Durch diesen Full Service gibst Du die Kontrolle wieder an ein Unternehmen ab! 

Fazit 

Die Digitalisierung ist nicht erst seit Corona im Handel angekommen. Für Unternehmer und Solo-Selbstständige ist es an der Zeit, die Digitalisierung des eigenen Business einzuleiten. Mit der richtigen Strategie und dem passenden Verkaufskanal bietet der Onlinehandel die Chance sein Geschäft krisenfest und skalierbar zu machen. Eine gute Strategie beinhaltet das genau Prüfen aller realisierbaren Optionen. Ob am Ende Amazon, der eigene Onlineshop oder die Trend-Plattform Etsy der richtige Weg in den Onlinehandel sind, gilt es prüfen und umzusetzen.

Wir stehen Dir als Kommunikationsagentur gerne mit unserer Kompaktberatung zur Verfügung, wenn Du Hilfe bei der richtigen Strategie brauchst. Natürlich helfen Dir auch operativ, wenn es im E-Commerce irgendwo hakt. 

Im zweiten Teil, den wir Dir hier verlinken werden, nehme ich die Bedeutung der Kundenorientierung im Onlinehandel in den Blick. Außerdem sprechen wir darüber, was Onlinehändler aus der Perspektive des Marketings bei den Themen Produktbilder, Webtexte und Werbung beachten müssen. 

Symbolgrafik Onlineshopping: © ST.art – stock.adobe.com

Florian Stenner

Florian Stenner

Projektmanager PR, Marketing & Kommunikation bei Magnecon. Er hat beruflich Erfahrungen als Journalist, Pressereferent im Bundestag und Marketingexperte in der Wirtschaft und im Sport gemacht.
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