Leif Neugebohrn

Fünf Dinge, welche die Wirtschaft von der Politik lernen kann

Leif Neugebohrn

Leif Neugebohrn

Gründer und Geschäftsführer von Magnecon. Kommunikationsberater, Speaker, Blogger. Spezialist für Markenentwicklung, Storytelling und Content-Marketing.

Kann die Wirtschaft von den Arbeitsweisen in der Politik etwas lernen? Ja, davon bin ich überzeugt. In diesem Blogartikel stelle ich fünf Dinge vor, bei denen sich Unternehmen und Manager viel von der Politik abschauen können. 

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In der Wirtschaft von den Erfahrungen der Politik profitieren

Ich komme aus dem wohl härtesten Bereich des Marketings: Politik und Wahlkampf. Nirgendwo sonst sind Zielgruppen misstrauischer und – ja – auch aggressiver. Nirgendwo sonst sind Ziele und Argumente schwammiger. Was ist das Produkt, was der USP in einem Wahlkampf? Und nirgendwo sonst muss mit so wenig Ressourcen und so niedrigen Budgets gearbeitet werden – jedenfalls was Deutschland betrifft.

Ich habe mir daher die Frage gestellt: Kann die Wirtschaft daraus etwas lernen? Was von meinen Erfahrungen aus unzähligen Wahlkämpfen kann Unternehmen helfen, noch erfolgreicher zu werden?

Insbesondere die folgenden fünf Punkte sind mir dabei besonders wichtig und ich bin überzeugt: Die Wirtschaft kann hier sehr profitieren. 

Inszenierungen sind wichtig!

Politik und Inszenierungen gehören untrennbar zusammen. In der Politik wird so ziemlich alles inszeniert. Dafür gibt es sogar eine eigene Jobbeschreibung, die vermutlich aus mancher Fernsehserie oder aus Filmen bekannt ist: Der Spindoctor. Er arbeitet daran, alles mit dem richtigen “Dreh”, also dem richtigen “spin” zu versehen und Ereignisse, Personen und Ideen in einem bestimmten Licht darzustellen. 

Auch wenn in der Wirtschaft mit großem Aufwand Markenbildung betrieben wird, eine solch konsequente Inszenierung findet dort eher selten statt. Gerade mittelständische Unternehmen können hier viel lernen. Es braucht auch in der Wirtschaft mehr Inszenierung. Es kommt eben nicht nur auf die Qualität von Produkten und Dienstleistungen an – sondern auch darauf, wie diese auf Kunden wirken. Ganz egal ob B2B oder B2C. Eine starke Inszenierung kann am Ende den Unterschied machen, wenn auf reiner Produkt- oder Preisebene ein Vergleich mit Mitbewerbern keinen Vorteil zeigt. Mehr zum Thema Markenbildung im Mittelstand findest Du übrigens hier.

Menschen müssen beteiligt und einbezogen werden

In der Politik ist klar: Wer Politik nur für sich selbst macht, wird schnell verlieren. Das gesamte politische Leben dreht sich letztlich darum, Menschen kontinuierlich mitzunehmen und sie von Ideen, Vorschlägen oder Personen zu überzeugen. Das ist übrigens Kern unserer Demokratie. Dazu werden die Menschen in viele Prozesse intensiv einbezogen.

Unternehmen handeln dagegen oft deutlich autokratischer. Letztlich können sie alleine entscheiden, welche Eigenschaften ein Produkt oder eine Dienstleistung hat. Es wird dazu zwar oft die Meinung der Kunden eingeholt, eine echte Beteiligung findet aber nicht statt. Ich sehe hier viele vergebene Chancen. 

Wagt mehr Beteiligung! Bindet die Kunden eng in Eure Prozesse ein. Lasst sie, soweit es nur irgendwie möglich ist, mitentscheiden, wie Produkte und Dienstleistungen gestaltet werden. Nehmt sie in alle Schritte mit und spiegelt, warum Ihr bestimmte Entscheidungen tut. Das ist nicht nur Ausdruck von Stärke, sondern wird Menschen auch besonders eng an Eurer Unternehmen binden. So entstehen nicht nur Kunden – sondern loyale Unterstützer und Botschafter Eurer Marke.

Es braucht regelmäßige Programme für die Zukunft

Spätestens am Ende jeder Wahlperiode wird in der Politik immer ein neues Wahlprogramm erarbeitet. Es stellt sozusagen das Bewerbungsschreiben für den kommenden Wahlgang dar. Und es ist der Moment, an dem viele Politiker und Parteien einmal ganz grundsätzlich nachdenken: Was wollen wir eigentlich genau? Was bieten wir an? Müssen wir in unserem Angebot etwas verändern?

Ich würde jedem Unternehmen empfehlen, diesen Prozess zu übernehmen. In viel zu vielen Unternehmen läuft das Geschäft rein langfristig aufgestellt und wird nur in wenigen Bereichen regelmäßig angepasst und aktualisiert. Mal kommt ein neues Produkt, mal wird ein bestehendes überarbeitet oder geupdatet. Never change a running system scheint das Motto.

Wer hier von der Politik lernt, profitiert. Nehmt Euch regelmäßig die Zeit und überprüft die gesamte Positionierung. Aktualisiert sie und erstellt ein Programm für einen bestimmten Zeitraum. Formuliert Ziele, die in diesem Zeitraum angegangen werden müssen. Und ändert im Zweifel die Ausrichtung, die Positionierung. 

Ein gutes Beispiel ist hier momentan Volkswagen. CEO Herbert Diess hat ganz offensichtlich ein aktuelles Programm, einen aktuellen Plan, der das gesamte Unternehmen neu positioniert Richtung Elektromobilität. Andere Hersteller arbeiten dagegen nur an einzelnen Modellen. Der Unterschied ist massiv sichtbar!

Budgets und Ressourcen: Aus wenig viel machen

Hast Du amerikanische Wahlkämpfe vor Augen? Dort werden hunderte Millionen Dollar sogar in lokalen Wahlkämpfen verpulvert. Politik ist dort ein Milliardengeschäft. In Deutschland sieht dies völlig anders aus. Selbst auf Bundesebene sind Budgets unglaublich knapp, auf lokaler Ebene geht es um jede 10 Euro. Mit kleinsten Budgets stampfen aber engagierte Kandidaten teilweise großartige Kampagnen aus dem Boden. Sie erreichen mit wenig Ressourcen unglaublich viel.

Auch davon kann die Wirtschaft in meinen Augen etwas lernen. Marketing muss nicht immer wahnsinnig teuer und aufwändig sein. Es ist viel sinnvoller, genau auf Aufwand und Ertrag zu schauen und dann eine Strategie zu wählen, die besonders effektiv ist.

Werte und Haltung zeigen

Politische Vorschläge und Ideen haben immer ein starkes Wertegerüst, das sie bedingt und beeinflusst. Die Haltung eines Politikers entscheidet maßgeblich, wie er entscheidet. Die Wirtschaft arbeitet dagegen viel zu oft losgelöst von solch scheinbar unnötigen Dingen. Dabei machen die Werte und die Haltung eines Unternehmens einen echten Unterschied zum Mitbewerber. 

Viele Unternehmen scheuen sich, politisch zu sein. Sie haben Angst, Kunden zu vergraulen, die nicht ihrer Meinung sind. Dabei übersehen sie, wie gefährlich das sein kann. Dies haben Hotels und Event-Locations, die mit der AfD zusammengearbeitet haben, genauso gespürt, wie regelmäßig der Nestlé-Konzern und andere. Traut Euch, Eure Werte und Eure Haltung zu zeigen. Menschen wollen wissen, mit wem sie zusammenarbeiten und wessen Produkte sie kaufen. 

Das bedeutet nicht, dass Unternehmen sich in Tagespolitik einmischen sollten – oder sich zu einzelnen politischen Akteuren positionieren sollten. Das ist meist keine gute Idee. Es geht darum ein festes Wertegerüst zu entwickeln und dann konsequent zu leben. Das ist nicht nur moralisch richtig – es schafft aber eben auch besonders loyale Kunden und Unterstützer. 

Fazit: Politik und Wirtschaft: Der Blick über den Tellerrand lohnt!

Unternehmen, Führungskräfte und Gründer tun gut daran, sich einmal die Arbeitsweisen und die Herausforderungen in der Politik anzusehen. Ich arbeite kontinuierlich daran, meine vielen Erfahrungen in der Politik und aus unzähligen Wahlkämpfen zu nutzen, auch die Wirtschaft voranzubringen. Diese fünf Punkte sind mir dabei ein besonderes Anliegen. Sie helfen Unternehmen, wirtschaftlich nachhaltig erfolgreicher zu werden.

Interessiert Dich das Thema? Dann lies Dir meinen Beitrag zum Thema Content-Marketing für B2B durch. Hier habe ich viele meiner Erfahrungen aus der Politik einfließen lassen.

Leif Neugebohrn

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Gründer und Geschäftsführer von Magnecon. Kommunikationsberater, Speaker, Blogger. Spezialist für Markenentwicklung, Storytelling und Content-Marketing.
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